Ist Marketing in Krisenzeiten überflüssig?

| Marketing verstehen

Wenn es wirtschaftlich enger wird, greifen viele Unternehmer beherzt zum Sparstift: der trifft meistens zuerst das Marketing. In der Praxis ist das aber ein folgenschwerer Trugschluss: wenn du dich rar machst, rücken andere – nämlich deine sichtbaren Mitbewerber – in den Fokus und machen den Umsatz, der dir dann fehlt. Marketing ist kein „Nice-to-have“ für die sonnigen Phasen im Geschäftsleben. Es ist ein unverzichtbarer Pfeiler deines Unternehmens – in guten wie in schlechten Zeiten.

Warum Marketing kein Luxus ist
Marketing wird häufig mit großen Kampagnen, hohen Budgets oder spektakulären Aktionen verbunden. Tatsächlich ist Marketing aber viel grundlegender: Es sorgt dafür, dass dich Menschen finden, verstehen, was du anbietest, und erkennen, warum sie gerade bei dir kaufen sollten. Deine Marketingaktivitäten entscheiden über deine Sichtbarkeit bei deiner Zielgruppe, also deinen Wunschkunden. Und Sichtbarkeit entscheidet darüber, ob (neue) Kunden zu dir kommen und ob du Umsatz generierst. 

Wenn Marketing massiv reduziert oder komplett gestrichen wird, passiert Folgendes:

  • Du bist bei deiner Zielgruppe nicht präsent und wirst weniger wahrgenommen.
  • Du bekommst weniger Anfragen.
  • In unserer kurzlebigen Zeit kannst du dich auch nicht unbedingt auf deine Stammkunden verlassen – auch diese benötigen hin und wieder eine Erinnerung, dass es dich (noch) gibt.
  • Der Abstand zu Mitbewerbern, die sichtbar sind, wird größer.
  • Umsatzchancen schmelzen – oft schneller als gedacht.
  • Die Spirale dreht sich nach unten, der wirtschaftliche Druck auf dein Unternehmen steigt.

In herausfordernden Zeiten entscheidet Sichtbarkeit darüber, ob dein Unternehmen weiter im Geschäft bleibt oder nicht. Deshalb ist Marketing eben kein „Nice-to-have“, sondern ein tragender Pfeiler deines Unternehmens.

Firmenpleiten 2025 im DACH-Raum
Wenn du Nachrichten liest, schaust oder hörst, bist du über die aktuelle wirtschaftliche Lage im DACH-Raum bereits informiert. Zur Untermauerung habe ich hier einige Zahlen zusammengefasst:

Österreich:
Der Kreditschutzverband KSV1870 meldet für das Jahr 2025 in Österreich 6.810 Unternehmensinsolvenzen. Das entspricht einem Anstieg um rund 3,4% bzw. um 222 Betriebe gegenüber 2024.

Deutschland:
Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gab es 2025 rund 23.900 Unternehmensinsolvenzen. Das ist der höchste Stand seit 2014 und um ca. 8,3% mehr als im Jahr 2024.

Schweiz:
Der Insolvenzstatistik von Dun & Bradstreet zufolge lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Schweiz 2025 bei 8.343 Fällen – deutlich mehr als im Vorjahr. Zu diesem Anstieg um rund 50% gegenüber dem Vorjahr trägt neben dem gesamtwirtschaftlichen Umfeld auch eine Gesetzesänderung bei, die dazu führt, dass mehr Firmenkonkurse formell eröffnet werden.

Diese Zahlen zeigen, wie viele Unternehmen unter Druck stehen und das nicht erst seit gestern. 

Die wirtschaftliche Lage aktuell 
In den letzten drei bis fünf Jahren ist die Wirtschaft kaum gewachsen, während gleichzeitig viele Kosten gestiegen sind. Auf Phasen mit vorsichtigem Optimismus folgten immer wieder Rückschläge. In Österreich haben sich viele positive Prognosen im Nachhinein als zu optimistisch erwiesen. Der Industriestandort Österreich hat an Attraktivität verloren. Hohe Kosten, allgemeine Unsicherheit und schwache Nachfrage setzen viele Betriebe unter Druck. Das zeigt sich auch daran, dass selbst namhafte Unternehmen in die Pleite schlittern. Es betrifft also längst nicht mehr nur kleine Betriebe wie EPU und KMU.

Für Unternehmen heißt das: weniger Spielraum, mehr Druck – Entscheidungen müssen gut abgewogen und vorsichtiger getroffen werden.

Das merkt man auch beim Kaufverhalten. Kunden lassen sich heute mehr Zeit, bevor sie etwas kaufen – besonders bei teureren Produkten. Sie informieren sich genauer, vergleichen Angebote und verschieben Entscheidungen öfter. Die Gründe dafür sind gut nachvollziehbar: Viele Menschen empfinden die wirtschaftliche Lage als unsicher und können nicht einschätzen, wie sich Einkommen, Preise oder der Arbeitsmarkt entwickeln werden. Gleichzeitig sind die Lebenshaltungskosten deutlich gestiegen, wodurch für größere Ausgaben weniger Spielraum bleibt.

Die Prognosen für 2026
Ein Blick nach vorne zeigt: Für 2026 rechnen alle großen Wirtschaftsinstitute mit Wachstum – aber auf niedrigem Niveau.

Österreich: Das WIFO erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von rund 1,1 %.
Deutschland: Für Deutschland wird ein Wachstum von etwa 1,0 % prognostiziert.
Schweiz: Auch in der Schweiz liegt die Erwartung für 2026 bei rund 1,1 % Wachstum.

Das bedeutet: Die Wirtschaft soll wieder wachsen, aber sehr langsam. Von einem Aufschwung kann keine Rede sein. Unternehmen müssen weiterhin vorsichtig planen und mit Unsicherheit umgehen.

Genau in so einem Umfeld zeigt sich, wie wichtig es ist, sichtbar zu sein bzw. zu bleiben. Wenn Kunden weniger ausgeben und genauer überlegen, bei wem sie kaufen, dann entscheidet die Wahrnehmung: Wer präsent ist, wird wahrgenommen. Wer sich zurückzieht, wird schnell übersehen oder vergessen.

Marketing muss nicht teuer sein
Warum das Kostenargument für mich nicht zählt: Marketing wird meistens dann teuer, wenn Aktivitäten aus Unsicherheit oder Panik „schnell“ umgesetzt werden. Spontane Aktionen kosten Geld, bringen aber oft wenig.

Wirksames Marketing kann auch mit kleinem Budget funktionieren, wenn du mit Plan vorgehst und konsistent bist. Es geht darum, für deine potenziellen Kunden sichtbar zu bleiben – nicht darum, ständig Neues auszuprobieren.

Das können auch einfache Maßnahmen sein:

  • ein Angebot für bestehende Kunden,
  • eine kurze, persönliche E-Mail an deine Kontakte,
  • regelmäßige Präsenz dort, wo deine Kunden unterwegs sind
  • online oder offline – ohne jedem Trend hinterher zu laufen.

Marketing ist kein Glücksspiel. Mit guter Planung und konsequenter Umsetzung können auch kleine Schritte viel bewirken – und deinen Geschäftserfolg langfristig auch mit einem kleinen Budget sichern. Wie das geht, habe ich hier beschrieben: So legst du die Basis für wirksames Marketing. 

Fazit:
Marketing ist ein tragender Pfeiler deines Unternehmens. Es sorgt dafür, dass du wahrgenommen wirst, Anfragen bekommst und neue Kunden gewinnen kannst – in guten wie in schlechten Zeiten.

In Krisenzeiten auf Marketing zu verzichten, kann drastische Folgen haben.