Schöne neue Welt?

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Val Kilmer ist tot – und spielt trotzdem eine tragende Rolle in einem neuen Film. Granny Spills hat über zwei Millionen Follower auf Instagram – existiert aber gar nicht. KI macht beides möglich, täuschend echt und für das menschliche Auge nicht zu unterscheiden. Was bedeutet das für unser Vertrauen in Bilder, Videos und Menschen, die wir online sehen? Und was bleibt, wenn visuelle Inhalte ihre Beweiskraft verlieren?

Rest in peace war gestern

Kennst du Val Kilmer? Wenn du so ungefähr meine Generation bist – plus/minus – dann hast du bestimmt „Top Gun“ gesehen, oder? Val Kilmer war Iceman, der attraktive blonde Gegenspieler von Tom Cruise.

Vor einigen Jahren ist Val Kilmer an Kehlkopfkrebs erkrankt und konnte nach mehreren Operationen und einem Luftröhrenschnitt nur noch schwer sprechen. 2025 ist er mit 65 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben.

Aber: Rest in Peace war gestern. Schon bald soll ein neuer Film mit ihm herauskommen. Val Kilmer wurde basierend auf altem Film- und Tonmaterial mit Hilfe von KI – und der Erlaubnis seiner Tochter – wieder zum Leben erweckt. Ich habe einen Filmausschnitt gesehen: hätte ich nicht gewusst, dass er eigentlich tot ist, hätte ich mir überhaupt nichts dabei gedacht – die Szenen waren täuschend echt. Insgesamt ist er 77 Minuten lang zu sehen, obwohl er keine einzige Szene gedreht hat. Der Film heißt „As deep as the grave“ , was ich in diesem Zusammenhang neben dem im Trailer gezeigten Dialog auch ziemlich makaber finde. Den Trailer kannst du dir auf youtube anschauen.

Die Abenteuer der KI-Oma

„Granny spills“ heißt auf deutsch so viel wie „Oma packt aus“. Das gleichnamige Profil auf Instagram hat in wenigen Wochen über zwei Millionen Follower erreicht. Die Beiträge zeigen eine ältere Dame in pinkem Designeroutfit mit schlagfertigen Sprüchen, vielen prominenten Freunden und einem hippen Lifestyle. Der Haken daran: Sie existiert nicht. Sie ist kein echter Mensch, keine echte Oma – sie ist vollständig KI-generiert von zwei jungen Content Creators aus den USA. Die beiden zeigen virtuos, was mit Hilfe von KI-Tools bereits heutzutage möglich ist.

So weit, so gut. Der Punkt, der mich dabei beschäftigt ist: Fotos und Videos wirken täuschend echt – wenn Granny nicht gerade in Miami in den Formel 1-Boliden klettert – was ziemlich unrealistisch ist – , kann das menschliche Auge keinen Unterschied erkennen: keine pixeligen Kanten, keine Hände mit zu vielen Fingern, keine Unstimmigkeiten im Gesicht. Auch wenn sie für ihre 75 Jahre erstaunlich beweglich ist, wäre das alleine kein Grund an ihrer Echtheit zu zweifeln.

Was können wir noch glauben?

Für mich – und meine Generation – waren Fotos bzw. Videos noch belastbare Beweise. War das durch professionelle Bildbearbeitung schon in den letzten Jahren nicht mehr zu 100% gegeben, hat es jetzt durch KI eine neue Qualität erreicht. Für das menschliche Auge ist der Unterschied zwischen Original und digitaler Fälschung nicht zu erkennen.

Aber was bedeutet das in der Praxis? Wie können wir zukünftig Informationen einordnen, ob sie wahr sind oder nicht? Was – und wem – können wir noch vorbehaltlos glauben?

Nicht jeder, der KI einsetzt, tut das mit den besten Absichten. Unabhängig vom Enthusiasmus für den Fortschritt und neue Technologien, müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass es hier auch eine „dunkle Seite der Macht“ gibt – die zweite Seite, der glänzenden, vielversprechenden „KI-Medaille“. Und über die wird – nach meiner Wahrnehmung – erstaunlich wenig gesprochen. Der Hype um die Möglichkeiten ist laut. Die Auseinandersetzung mit den Risiken ist leise. Datenschutz, Manipulation, der Verlust von Orientierung in einer Welt, in der wir bei jedem Bild, jedem Video, jeder Aussage zuerst fragen müssen: ist das überhaupt echt? – das kommt in den meisten Jubelmeldungen schlichtweg nicht vor.

Der EU AI Act

Ab August 2026 gilt in der gesamten EU – also auch in Österreich – eine verbindliche Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte, geregelt im EU AI Act (Artikel 50). Täuschend echte Bilder, Videos und Stimmenimitationen müssen dann als KI-generiert gekennzeichnet werden. Wer KI-Texte selbst prüft und redaktionell verantwortet, ist davon ausgenommen – aber die Grenze, was als „täuschend echt“ gilt, ist noch nicht abschließend definiert. Und die wichtigste Frage ist: wer soll das kontrollieren?

Was heute Vertrauen schafft

Vertrauen ist immer noch die wichtigste Währung im Kaufprozess: Menschen kaufen von Menschen, die sie kennen, die sie mögen und denen sie vertrauen. Daran ändert auch KI nichts. Wenn aber visuelle Inhalte ihre Beweiskraft verlieren, wenn Fotos, Videos und in weiterer Folge auch Testimonials grundsätzlich in Frage gestellt werden können und wenn niemand mehr weiß, ob hinter einem Social Media Profil ein Mensch oder KI steckt, dann verschiebt sich, was Vertrauen schafft.

Was bedeutet das für dich als Unternehmer?

Zeige dich authentisch und vor allem „unverwechselbar“ menschlich. Charakter und Persönlichkeit zählen mehr als je zuvor. Konkret:

  • Konsistenz über Zeit: nicht einmal posten und dann drei Monate nichts. Wer regelmäßig sichtbar ist, baut Vertrauen auf.
  • Nachvollziehbare Haltung: du musst nicht jeden Trend mitmachen. Aber es sollte klar sein, wofür du stehst.
  • Klare Werte: was ist dir wichtig? Was machst du nicht? Das merken Kunden schneller, als du denkst.
  • Echte Meinungen, auch unbequeme: wer immer nur nickt, bleibt austauschbar. Eine klare Meinung macht dich erinnerungswürdig.
  • Eine Stimme, die sich nicht wie Chat GPT liest: schreib, wie du sprichst. Dein Ton ist dein Erkennungsmerkmal.
  • Offline-Präsenz, die sich nicht wegklicken lässt: persönliche Begegnungen, Empfehlungen, Mundpropaganda. Das war schon vor KI gold wert – und wird es zukünftig noch viel mehr.

Für große Konzerne ist das schwer nachzubauen. Für dich als EPU oder kleines Unternehmen ist genau das dein natürlicher Vorteil – wenn du ihn nutzt.

Fazit
Granny Spills ist ein faszinierendes Experiment – und zeigt, wohin sich digitale Inhalte entwickeln. Val Kilmer, der nach seinem Tod per KI wieder auf der Leinwand erscheint, ist ein Zeichen dafür, welche Fragen wir als Gesellschaft noch beantworten müssen: Wo setzen wir ethische, moralische, datenschutzrechtliche und strafrechtliche Grenzen bei der Verwendung von KI? Inwieweit kann der EU AI Act diese Anforderungen angesichts der noch unbekannten zukünftigen Möglichkeiten jetzt überhaupt schon abdecken?

Sicher ist: KI ist gekommen, um zu bleiben. Und ganz bestimmt stehen wir erst am Anfang dieses neuen Zeitalters – wer weiß, was mit diesen Technologien in Zukunft noch alles möglich sein wird?

Ich finde aber, dass wir die Kontrolle nicht komplett aus der Hand geben sollten – letzten Endes sollte KI ein Instrument, ein Werkzeug sein, das der Menschheit dient, ihr zu Nutzen ist – und nicht umgekehrt.

Je mehr Inhalte künstlich erzeugt werden, desto wertvoller wird das, was echt ist: Deine Haltung, deine Werte, deine Erfahrung, dein Name, der für die Qualität deiner Angebote und deiner Leistungen steht.
Das kann keine KI erzeugen.

Vertrauen bleibt die Grundlage jeder Kaufentscheidung. Was potenzielle Kunden sonst noch bremst – und wie du das änderst – zeigt dir meine Checkliste für € 0,-. 

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